Empathie und Einfühlungsvermögen

Wie gut beherrschen wir diese Dinge wirklich?

Artikel von Dagmar Strehlau

Erinnern Sie sich noch an den Artikel über Emotionale Intelligenz, den ich vor einiger Zeit geschrieben habe? Dort wurde beschrieben, dass beruflicher Erfolg nicht nur von unserem fachlichen Können abhängt, sondern auch sehr stark von unserem intelligenten Umgang mit unseren eigenen und den Gefühlen anderer Menschen beeinflusst wird. Der amerikanische Psychologe Daniel Goleman splittete die Emotionale Intelligenz in 5 Teilbereiche auf. Auf einen dieser 5 Teilbereiche möchte ich in dem heutigen Artikel näher eingehen. Und zwar auf den Teilbereich „Empathie“.

Aber was ist eigentlich Empathie? Ins Deutsche übersetzt heißt es „Einfühlung“. Nach Lipps wird darunter verstanden, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, um so dessen Verhalten zu verstehen. Interessanterweise bezog sich die ursprüngliche Bedeutung von „Einfühlung“ auf das Verstehen von Kunstwerken (nach Fröhlich, W.D.1987).

Aber vielleicht liegt man auch mit dieser ursprünglichen Bezeichnung hier richtig. Sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen und der Versuch die Welt mit den Augen eines anderen Menschen zu sehen, ist vergleichbar mit der Interpretation eines sehr komplexen Kunstwerkes. Sich hier wirklich einzufühlen erfordert mehr als einen kurzen Blick auf ein Bild.

Doch wie gehen wir im Alltag mit diesem komplexen Kunstwerk um? Wie gut ist unsere Menschenkenntnis? Können wir uns wirklich in den anderen „einfühlen“ und erkennen wie er die Situation wahrnimmt? Oder glauben wir es nur zu wissen? Wie jemand eine Situation empfunden hat oder auch wahrgenommen hat, kann sehr unterschiedlich sein.

Haben Sie es selbst schon einmal getestet und sich nach einer Teamsitzung oder einem Gespräch Feedback von den Teilnehmern und Gesprächspartnern eingeholt? Und wenn ja, hat die Rückmeldung mit Ihrem Eindruck übereingestimmt? Oder taten sich überraschend ganz neue Welten auf? Ist Menschenkenntnis gleichzusetzen mit der Kunst des Gedankenlesens (Wolf, A. 2010) oder ist es nur der mehr oder minder erfolgreiche Versuch der Interpretation der Signale, die man glaubt von dem Gegenüber zu erhalten.

In jedem Kommunikationsseminar erlernen wir Hinweise auf „Wahrnehmungstäuschungen“. Und wir sind jedesmal überrascht, wie schnell wir uns in unserer Wahrnehmung täuschen lassen können. Wir sind aufgrund vieler Signale, die wir glauben zu kennen, schnell bereit, Urteile über unseren Gesprächspartner zu fällen.

Unser Gehirn versucht uns das Leben leichter zu machen und verallgemeinert oder „retuschiert“ Eindrücke und Wahrnehmungen, um die Komplexität etwas zu vereinfachen. Dies hat seine Vorteile – aber auch den Nachteil, dass wir emotionale Urteile manchmal zu schnell treffen und uns so täuschen lassen.

Andererseits wird dadurch sehr deutlich, wie wichtig eine intensive Beschäftigung mit dem Faktor „Empathie“ gerade im Führungsbereich wird. Gerade als Führungskraft müssen wir uns sehr feinfühlig auf den einzelnen Mitarbeiter einstellen können. Empathisches Führen zeigt sich darin, dass Führungskräfte versuchen, die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu entdecken und zu respektieren und dies möglichst vorurteilsfrei (nach Aulinger, A. & Schmid, T. (2009)). Dabei darf man das empathische Führungsverhalten nicht missverstehen – es heißt nicht, dass man auf alle Bedürfnisse eingeht und alle Wünsche erfüllt.

Empathisches Verhalten lässt sich erlernen und weiter ausbauen. Versuchen Sie folgende Punkte in Ihren nächsten Gesprächsrunden einfach einmal zu berücksichtigen:

  • Versetzen Sie sich einmal bewusst in die Situation Ihres Gesprächspartners. Versuchen Sie einmal seinen Platz einzunehmen und seinen Blickwinkel der Situation zu übernehmen.
  • Nehmen Sie sich die Zeit – ein zu schnell geglaubtes „Überblicken“ der Situation geht häufig schief. Wie häufig haben wir schon Situationen fehlinterpretiert – sowohl im positiven, als auch im negativen Bereich.
  • Besser zuhören – oder überhaupt „zuhören“!
  • Holen Sie sich Feedback ein und zwar so oft wie möglich. Hinterfragen Sie, ob Sie die Situation richtig verstanden haben. Fragen Sie auch Menschen, die Sie glauben gut zu kennen und diese richtig zu interpretieren – häufig werden Sie überrascht sein, wie „anders“ auch vertraute Menschen die Situation wahrgenommen haben oder was gerade in ihren Köpfen vorgegangen ist.
  • Schauen Sie sich aus Ihrem Kommunikationsseminar auch einmal wieder das Kapitel über „Wahrnehmungstäuschungen“ an. Es hilft zu schnelle Urteile zu vermeiden.
  • Nicht jedes Lächeln kommt von Herzen! Häufig glauben wir, dadurch, dass der Gegenüber uns anlächelt, an eine positive Gesprächsatmosphäre – aber ein echtes Lachen zeigt sich nicht am Mund sondern an den Augen – daher werfen Sie immer zuerst einmal den Blick Richtung Augenwinkel – haben sich dort viele Fältchen gebildet, bedeutet dies auch ein echtes Lachen.

Wichtig ist, dass wir beim Faktor Empathie den „Sympathiefaktor“ etwas ausgrenzen – gerade bei Menschen, die wir nicht mögen, die uns nicht auf Anhieb sympathisch erscheinen, ist es wichtig sich in sie hineinzuversetzen, um entsprechend richtig zu agieren und den Menschen und seine Handlungen zu verstehen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim weiteren Vertiefen Ihres „Einfühlungsvermögens“ und Ihrer Menschenkenntnis. Bewegen wir uns in der Welt der Gefühle sind wir immer auf der Ebene des lebenslangen Lernens, dieses bedeutet wir lernen hier nie aus.

Quellen

Goleman, D. (2000): Emotionale Intelligenz.
Wolf, A. (2010): Menschenkenntnis. Die alltägliche Kunst des Gedankenlesens. Psychologie Heute 08.
Aulinger, A. & Schmid; T (2009): Empathisches Führungsverhalten. Zfo, 06.

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