Resilienz aufbauen und nutzen

Gestärkt aus der Krise oder wie schaffe ich es besser mit Belastungen umzugehen?

Artikel von Dagmar Strehlau

Es gibt immer Zeiten in denen Veränderungen anstehen, in manchen Unternehmen reißen sie gefühlt nicht ab, Management und Mitarbeiter sind schon fast daran gewöhnt, in anderen Unternehmen „er­wischt“ es gefühlt alle überraschend und man muss sich über Nacht mit einem Veränderungsprozess auseinandersetzen. Gleichgültig ob alter Hase im Change-Prozess oder neuer Hüpfer, von einem Groß­teil der Menschen werden Veränderungen als eine Belastung empfunden.

Auch wenn man weiß, dass das der Prozess notwendig und das Ziel positiv ist, der Weg dorthin ist kein leichter. Die Belastung im Management wird meist noch intensiver wahrgenommen, denn hier ist die Auf­gabenstellung die Mitarbeiter abzuholen und auf diesem Weg der Veränderung zu begleiten. Er­staun­lich ist es, dass hier die Reaktionen unterschiedlich sind:  Von manchen Menschen werden diese Be­las­tungssituationen verblüffend gut vertragen, diese Widerstandskraft - von Psychologen als Resilienz tituliert – ermöglicht es einem Menschen mit extremen Belastungen fertig zu werden, und zwar „ohne seelischen Schaden“ zu nehmen.

Eigentlich ist Resilienz ein Begriff aus der Physik, der in der Werkstoffkunde die Fähigkeit eines Werkstoffs, sich verformen zu lassen und dennoch zur ursprünglichen Form zurückzufinden bezeichnet. Das heißt für die Menschen bedeutet Resilienz eine Art von „Stehaufmännchen-Taktik“ zu beherrschen – und trotz schwieriger Umstände immer wieder zur altgewohnten Kraft zurückzukommen.

Resilienz im beruflichen Umfeld

Resilienz ist ein Faktor, der eine immer stärkere Bedeutung gewinnt – auch im Arbeitsleben – der Druck, der von außen und innen auf Unternehmen und das Börsenparkett einwirkt wird immer größer: Unter­nehmensverkäufe und -übernahmen nehmen zu, die Digitalisierung führt zu einer immer schneller agierenden Arbeitswelt und erfordert Veränderungsprozesse im Unternehmen. Damit steigt die Be­lastung für alle, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer.

Immer gab es schon Menschen, die aus einer mehr oder weniger ausweglosen Situation wie ein Phönix aus der Asche herausgestiegen sind und es auch geschafft haben, dies auf andere zu übertragen und ihnen weiterzuhelfen. Vielleicht werden sich einige von Ihnen noch an den Klassiker von Lee Iacocca er­in­nern, in dem er seinen Lebensweg beschrieb, begonnen von dem Schock einer Entlassung aus einer Topposition bei Ford, hin zu seinem Wechsel zu Chrysler, einem Unternehmen, dass er aus einer hohen Verschuldung innerhalb von vier Jahren in die Gewinnzone brachte. Iacocca, ein Mensch der ein­deutig über einen hohen Resilienzfaktor verfügte.

Resilienz liegt in uns allen vor, nur ist es unterschiedlich stark ausgeprägt. Aber auch wenn wir gerade zu den Individuen gehören, bei denen der Resilienzfaktor schwächer ist, gibt es positive Nachrichten: Wir können daran arbeiten und … dazulernen. Resilienz lässt sich sehr gut in der Kindheit erlernen (wie fast alles im Leben). Aber es ist in jedem Alter möglich sie weiter auszubauen.

Resilienz aktiv aufbauen und stärken

Zur Diagnose von Resilienz liegen einige Verfahren vor. Im deutschsprachigen Raum ist die be­kan­nteste Methodik die Resilienz-Skala von Jörg Schumacher et al.. Diese Skala misst die „Persönliche Kompetenz“ (Selbstvertrauen, Unabhängigkeit, Beherrschung, Beweglichkeit und Ausdauer) und die „Akzeptanz des Selbst und des Lebens“ (Anpassungsfähigkeit, Toleranz, flexible Sicht auf sich selbst und den eigenen Lebensweg).

Wenn Sie die Kurzform einmal testen wollen: https://www.uniklinikum-jena.de/mpsy_media/Downloads/Forschung/Resilienzskala_RS13_inklAuswertung.pdf. Diese Skala gibt einen guten Einblick, wie stark die Resilienz ausgeprägt ist.

Was kann man nun tun, um dieses „Stehaufmännchen-Prinzip“ zu trainieren und weiter aufzubauen? Hier einige Tipps dazu (angelehnt an American Psychological Association (APA)):

  • Aufbau und Pflege sozialer Kontakte: Gute Beziehungen zu Familienmitgliedern, Freunden oder Kollegen pflegen, in ehrenamtlichen Gruppen, Berufsverbänden oder Vereinen aktiv werden. Iacocca meinte dazu: „Business ist nichts andres als ein Knäuel menschlicher Beziehungen.“
  • Krisen nicht als unüberwindliches Problem betrachten: Belastende Situationen lassen sich nicht verhindern, aber man kann die Art ändern, in der man auf diese Ereignisse reagiert. Machen Sie das Beste aus dem was Sie haben, um Probleme zu lösen
  • Akzeptieren, dass Änderungen ein Teil des Lebens sind: Wenn Situationen sich wirklich nicht mehr ändern lassen, ist es sinnvoller, sich auf das zu konzentrieren, was man noch beein­flus­sen kann. Empfinden Sie z.B. eine Reorganisation als Chance sich neu zu positionieren und neue Aufgabenbereiche zu übernehmen. Geben Sie der Veränderung symbolisch einen „Smiley“.' Oder nehmen Sie sich zur Unterstützung doch einfach einmal wieder einen Gedichtband von Hermann Hesse aus dem Regal (aus dem Gedicht „Stufen“). „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben… Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde“. Zu poetisch in Ihren Augen? Möglich, auf der anderen Seite, wird es Sie nicht weiter­bringen, alten Zeiten nachzutrauern, dies blockiert Sie und führt dazu, dass die Mög­lichkeit sich an der Gestaltung neuer Prozesse zu beteiligen an Ihnen vorübergeht.
  • Sich auf die eigenen Ziele zubewegen: Realistische Ziele entwickeln und Tag für Tag darauf zu­streben – ruhig auch in ganz kleinen Schritten. Machen Sie sich selbst einen Plan – und schreiben Sie sich Ihre Ziele auf, aber so, dass sie für Sie selbst messbar und ersichtlich sind und machen Sie einen Haken bei den Zielen, die Sie schon erreicht haben.
  • Selbst entscheiden: Bei Problemen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern sich aktiv der Situation zuwenden und Entscheidungen treffen. Nutzen Sie ihre eigene Handlungs­fähigkeit, die Opferrolle blockiert unser aktives Handeln, schlüpfen Sie heraus und gehen Sie Problemstellungen aktiv an.
  • Auf Wachstumschancen achten: Häufig lernt man gerade in Krisen mehr über sich und ent­wickelt ungeahnte Fähigkeiten. Akzeptieren Sie Krisensituationen als „Lerninseln“. Ein ein­faches Sprichwort sagt: „Aus Schaden wird man klug“. Nutzen Sie dies und schreiben Sie sich die Lernfaktoren aktiv auf!
  • Ein positives Selbstbild aufbauen: Das Selbstbewusstsein in die eigenen Fähigkeiten ent­wickeln, Probleme zu lösen und seinen Instinkten vertrauen zu können. Wir gewinnen mehr an Selbstvertrauen, wenn wir es schaffen aus eigener Kraft Krisen und schwierige Situationen zu meistern. Die Aufgabenstellungen im Management bewegen sich nicht nur auf Schön­wetterkurs. Gerade in schwierigen Zeiten muss man als Führungskraft Stabilität und Motivation ausstrahlen.
  • Perspektive bewahren: Auch wenn die gegenwärtige Situation äußerst schmerzlich und be­lastend ist, an die langfristige Perspektive denken. Die Dinge nicht unnötig dramatisieren. Ingvar Kamprad, der IKEA Gründer sagte einmal „In jedem Problem liegt eine Chance“. Probleme sind wichtige Ideenlieferanten, sie zwingen uns Geschäftssituationen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und neue Handlungsmöglichkeiten zu suchen und … zu finden.
  • Gesunder Optimismus: Daran glauben, dass auch gute Dinge im Leben zu erwarten sind. Sich nicht nur auf die Sorgen konzentrieren, sondern auch auf die eigenen Wünsche. Seligman, der Begründer der positiven Psychologie sagte einmal: „Das Leben ist zu kurz, um unglücklich zu sein“. Aber auch Realist bleiben und nicht in einen unsachgemäßen Optimismus verfallen. Sich den kritischen Situationen stellen und sie als Schule betrachten um daraus zu lernen
  • Für sich selbst sorgen: Auf die eigenen Bedürfnisse und Gefühle achten, erfreulichen und ent­spannenden Tätigkeiten nachgehen, sich regelmäßig bewegen – um Körper und Geist für Situ­ationen zu stärken. Bei Stress und schwierigen Situationen fühlen wir uns häufig blockiert, gehen Sie lieber eine Runde um den Block und atmen frische Luft ein, als völlig gestresst vor dem PC sitzen zu bleiben oder schon angespannt in ein wichtiges Geschäftsmeeting zu gehen. Um geistig leistungsfähig zu sein ist es wichtig sich körperlich fit und ausgeglichen zu fühlen, mit anderen Worten – achten Sie darauf regelmäßig Sport zu treiben. Geben Sie sich selbst auch einmal wieder die Möglichkeit etwas Schönes zu erleben: Lesen Sie ein gutes Buch, gön­nen Sie sich ein Glas Wein, besuchen Sie eine Ausstellung oder genießen Sie einfach einmal einen Tag in der Familie ohne Blick auf das Mobile.
  • Noch ein Tipp aus der Neurologie: Stärken Sie Ihren Hippocampus. Je größer die Dichte der grauen Zellen in diesem Areal umso besser, denn diese Region ist wichtig für Emotionen und das Gedächtnis. Chronischer Stress schädigt den Hippocampus. Arbeiten Sie mit Acht­samkeitspraktiken daran ihn zu stärken und stärken Sie so Ihre Resilienz! (Congleton et al.)

Probieren Sie die Checkliste doch einmal aus – und überlegen Sie sich was Sie daraus nehmen können, um die Resilienz in Ihrem Unternehmen bei Mitarbeitern und Führungskräften zu stärken.

Resilienz ist heute und in Zukunft ein wichtiger Erfolgsfaktor. Angestellte und Manager, die über einen stabilen und hohen Resilienzfaktor verfügen, wirken sich positiv auf das Unternehmen aus, können bes­ser mit sich verändernden Geschäftsbedingungen umgehen und sichern damit Wettbewerbsvorteile. Dies bedeutet ein Zugewinn für alle Seiten.

Veränderungen lassen sich nur dann umsetzen, wenn Sie ein Team haben, dass mit Energie und Engagement die Prozesse begleitet. Es ist auch wenig sinnvoll, mit viel Druck den Change-Prozess abzuschließen und dann festzustellen, dass sowohl dem Management als auch den Mitarbeitern nun die Kraft fehlt mit den neuen Prozessen in die Zukunft zu starten.

Quellen

Congleton, C.; Hölzel, B. & Lazar, S. (2015): Workout für das Gehirn. Harvardbusinessmanager.de. 10. Februar 2015.
Harvard Business Manager (2017): Drei Eigenschaften, die beim Aufbau von Resilienz helfen. Harardbusinessmanager.de, 03.07.2017.
Rampe, M. (2005): Der R-Faktor. München: Knaur.
Schornhorst, J. (2007): Biegen statt Brechen. (Wirtschaftspsychologie aktuell 03/2007)
Seligmann, M. (2005): Der Glücks-Faktor. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe.

 

 

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