Integrität und Compliance

Persönliche Integrität und Selbstverantwortung als Compliance-Mittel gegen Betrug und Korruption

Dr. Christian Kühl

 

Die vom Bundeskartellamt verhängten Bußgelder hatten 2014 mit ca. 1,1 Mrd. Euro einen Höhepunkt erreicht und mit den sinkenden Zahlungen in den Folgejahren dachte man der rückläufige Trend hält an. Doch weit gefehlt, die Zahlungen stiegen schon in 2018 wieder rapide auf 376 Mio. Euro an und mit der Dieselaffäre und anderen Themen werden die Zahlen für 2019 weiterhin hoch ausfallen. [1]

 

 

Abb.1: Verhängte Bußgeldzahlungen des Bundeskartellamtes von 2008 bis 2018 [1]

 

Bloßstellungen in Presse und Fernsehen, öffentlichkeitswirksame Verhaftungen mit langjährigen Haftstrafen und selbst Strafzahlungen in Milliardenhöhen haben anscheinend keinen abschreckenden Charakter.

Ernst & Young hat in seiner EMEA Studie 2017 mit 4.100 Managern aufgezeigt, dass 20% der Vorstände und des Top Management bereit wären, Umsätze früher zu buchen, um die Ziele zu erreichen.[2]

Die Dieselaffäre und andere Fälle zeigen deutlich, dass in deutschen Firmen auf oberster Ebene das Thema Compliance noch ganz anders verstanden wird.

 

"Überregulierung tötet Selbstverantwortung"

Dr. Manfred Gentz [4]

 

Deutsche Unternehmer sind von der juristischen Seite auf dem richtigen Weg. Große Unternehmen und zunehmend auch mittelständische Firmen haben sich auf der Compliance Management Seite personell und organisatorisch aufgestellt. Es zeigt sich jedoch, dass der rein juristische Ansatz bei diesem Thema bei vielen Firmen allein nicht ausreicht, weil dadurch die einzelne Person in ihren persönlichen Eigenschaften ausgeklammert bleibt.

„Überregulierung tötet Selbstverantwortung“ meint Dr. Manfred Gentz, ehemaliger Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex.

Viele Unternehmen haben bei Compliance-Fragen das vernünftige Maß verloren.

Seine Empfehlung:

Sie sollten ihren Mitarbeitern … beibringen, nicht nur die Regeln zu kennen, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen. …. Was in Broschüren oder Leitfäden festgehalten wird, wandert meist ohnehin einfach in die Schublade.“[4]

Die persönliche Integrität und Selbstverantwortung müssen als die wesentlichen Elemente von Compliance Maßnahmen verstanden werden!

 

Abb.2: Die 10 Todsünden des Compliance [3]

 

Der Compliance Management Compass

Dieser Notwendigkeit ist die Business School der Technischen Universität Ingolstadt und die Hochschule der Bundeswehr in München nachgekommen und hat die bestehenden formalistischen Compliance Management Systeme um wichtige verhaltensorientierte Elemente zum Thema Selbstverantwortung und Integrität erweitert.

Ziel ist es, die Steigerung der Effektivität von Compliance Maßnahmen durch die bewusste Beeinflussung des Verhaltens in entsprechenden Situationen zu erreichen. Dazu wurde eine international anwendbare Methode in Form eines „Compliance Management Compass“ (CMC) entwickelt. In diesem Modell werden persönlichkeitsorientierte Merkmale aufgenommen, die Aufschluss über die Integrität einer Person geben. Zum anderen werden Entscheidungsalternativen für Situationen einbezogen, die eine wichtige Einflussnahme auf Handlungsabläufe bedeuten können. Diese beiden Teile werden für die Beurteilung und den Umgang mit einer Compliance Situation genutzt.

 

Abb.3: Compliance Management Compass

 

Dadurch wird eine Person in die Lage versetzt aufgrund von eigenen Zielen, Regeln und Werten unter der Nutzung der eigenen Integrität eine Entscheidung zu fällen. Damit kann der einzelne Mitarbeiter oder Manager sich neben der gesetzlichen und firmeneigenen Regelung zusätzlich auf seinen eigenen „inneren Kompass“ oder sein persönliches Compliance Management System in schwierigen oder unklaren Situationen verlassen.

Die Anwendung dieser Methode zeigt eine erhöhte Wahrnehmung und Eigenverantwortung bei den Personen für das eigene Handeln und führt zu einer besseren Verankerung der bestehenden Compliance Regeln eines Unternehmens.

Fazit: Compliance kann nicht bei formellen z. B. organisatorischen Maßnahmen aufhören. Die einzelne Person kann durch Kenntnis und Einsatz ihrer eigenen Integrität den Ablauf und die Folgen von Betrugs- und Korruptionssituationen im Sinne von Dr. Gentz erfolgreich beeinflussen.

 

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Quellen

[1] Vgl: Bundeskartellamt, Jahresbericht 2018, S. 20.
[2] Vgl. www.ey.com/Publication/vwLUAssets/EY_-_EMEIA_Fraud_Survey_2017/$FILE/ey-emeia-fraud-survey-2017.pdf; 4100 Interview partners
[3] Vgl.: compliance-care.org/die-10-compliance-todsuenden
[4] Vgl.: Dr. Manfred Gentz: Compliance; Zeitschrift für Compliance; Dezember 2014; S.2

Ihr Ansprechpartner Dr. Christian Kühl

Tel.: +49 (0) 6192 40 269 0
E-Mail: christian.kuehl@anxo-consulting.com

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