Das Ende vom Purpose?

 

 

 

04.06.2020 | Artikel von Christian Kersten

 

Der täglichen Arbeit im Unternehmen einen Sinn zu geben, war im eng umkämpften Arbeitnehmer Markt ein wichtiger Punkt, sowohl im Recruiting als auch in der Mitarbeiterbindung. Wird sich dies durch den Corona infizierten Arbeitsmarkt nun nachhaltig ändern?

Die Auswirkung der Pandemie auf den Arbeitsmarkt wird mit jedem Tag deutlicher. Die Kurzarbeit ist ein wirksames Mittel, um einen sofortigen Schock bei den Beschäftigtenzahlen zu vermeiden, aber der nachhaltige Einbruch der Volkswirtschaft wird sich auch bald eklatant bei den Arbeitslosenzahlen niederschlagen. Sowohl die kleinst- und mittelständischen Betriebe als auch Konzerne sehen sich gezwungen, die Anzahl der Mitarbeiter deutlich zu reduzieren bzw. auf Neueinstellungen zu verzichten. Die Wahrscheinlichkeit, dass zum Ende des Jahres 2020 die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordhoch liegt ist somit gegeben.

Im Vergleich dazu, gab es in den vergangenen Jahren, mit einer stabilen Arbeitslosenquote von ca. 5% im Jahresdurchschnitt, insbesondere bei Fachkräften, Spezialisten und den gut ausgebildeten Arbeitnehmern einen Nachfrageüberhang: Den häufig zitierten Arbeitnehmermarkt.

Die Unternehmen standen sich in einem Wettbewerb gegenüber, um geeignetes Personal zu finden beziehungsweise um Ihre besten Mitarbeiter im Unternehmen langfristig zu binden („War of Talent“). Gerade beim Buhlen um die Generation Y war es offensichtlich, dass allein ein attraktives Gehaltspaket nicht ausreichend war, um diese Generation für den täglichen Gang zur Arbeit zu motivieren. Gefragt war neben flexiblen Arbeitszeitmodellen, Vereinbarung von Beruf und Freizeit vor allem auch der Purpose – der Sinn im täglichen Doing.

 

Rückt der Purpose nun durch die Krise in den Hintergrund?

Aus meiner Sicht: Nein!

Nachvollziehbar wird es auf Grund der beschriebenen Entwicklung, vermehrt Arbeitnehmer und noch mehr Arbeitssuchende geben, die ganz konkret durch die wirtschaftliche Notsituation getrieben sind. Wer die Aufwendungen für den Haushalt nicht zahlen bzw. die Kredite für Haus und Auto nicht bedienen kann, wird das Kriterium Purpose im Beruf zunächst einmal runter priorisieren.

Aber: Die Corona Pandemie hat den Menschen auch aufgezeigt, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist. Die Sorge um die Gesundheit, das fast komplette Erliegen des sozialen Lebens und die weitgehenden Einschränkungen im beruflichen Leben, haben bei vielen Menschen einen Prozess der Reflektion angestoßen. Wie wird die Post Corona Gesellschaft aussehen, wie wird das eigene Leben aussehen und welche Dinge werden in Zukunft mehr oder weniger Relevanz haben? Vor dem Hintergrund, dass wir immer noch einen beträchtlichen Teil unserer Lebenszeit im Berufsleben verbringen, wird sich die Frage nach dem sinnhaften Tun auch für diesen Bereich noch stärker als jemals zuvor stellen.

Für Unternehmen gilt es jetzt, sich umso mehr auf einen Dialog zum Thema Purpose mit den Mitarbeitern als auch Bewerbern einzustellen. Sicherlich wird es in der beschriebenen Situation für Arbeitgeber kurzfristige Chancen geben, geeignete Mitarbeiter mit den eher traditionierten Instrumentarien wie Gehaltspaket und / oder „einen sicheren Arbeitsplatz“ zu gewinnen. Mittel- und langfristig aber, wird sich in unserer saturierten Gesellschaft, die Sehnsucht nach dem Purpose im täglichen Doing durch die Krise eher verstärken.

Es gilt heraus zu arbeiten, für welchen Purpose das Unternehmen steht und in welcher Form dies bestmöglich argumentativ unterfüttert werden kann. Denn es ist nicht ausreichend, nur einen markigen Slogan zu kreieren, der mit dem tatsächlichen Wirken am Arbeitsplatz nichts zu tun hat. Ein solches Feigenblatt würde von den Mitarbeitern schnell als solches identifiziert und damit einen gegenteiligen Effekt erzielen.

Der bereits an dieser Stelle ausführlich beschriebene Wertekreis nach Shalom Schwartz kann in einem solchen Findungsprozess ein wertvolles Instrumentarium sein. Mit Hilfe der Einordnung in den herrschenden Wertekanon innerhalb der Unternehmung bzw. der Belegschaft gibt es eine transparente Aufklärung, was den Menschen im Unternehmen wichtig und weniger wichtig ist. Auf dieser Basis lässt sich dann ein unternehmensübergreifende Purpose ableiten, der möglichst vielen Mitarbeitern einen Rahmen für Ihre persönliche Motivation gibt.

Ist der Prozess der Definition abgeschlossen, bietet sich dann die Möglichkeit über eine gezielte Kommunikation mit diesem Thema pro-aktiv in der Belegschaft bzw. im Bewerbermarkt zu punkten. Und nicht nur hier: Auch im Marktumfeld selbst, können mit einem nachvollziehbaren Purpose und einer darauf aufsetzenden Markenkommunikation Pluspunkte gesammelt werden bzw. ein positives Erscheinungsbild der Unternehmung gezeichnet werden.

Nutzen Sie also jetzt die Zeit der allgemeinen Reflektion, um für Ihr Unternehmen, für Ihre Mitarbeiter und nicht zu Letzt auch für Sie selbst, der Arbeit einen wohlüberlegten Purpose zu geben.

 

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